Dr. Heinz Fischer

Bundespräsident der Republik Österreich

Netzwerke sind Antworten auf aktuelle Entwicklungen wie Globalisierung, Individualisierung, Isolation.
Netzwerke sind geprägt von Merkmalen wie Vertrauen, Kommunikation, Gemeinschaft, Zuverlässigkeit.
Flüsse ignorieren Grenzen und durchbrechen Barrieren, können eine die Menschen verbindende Wirkung haben. Die Drau ist so ein kraftvolles Band zwischen Mitteleuropa und Südosteuropa.
An diesem Fluss ein musikalisches Netzwerk zu errichten ist das Ziel des Projekts "Drau/Drava - Alter Fluss und Neue Klänge" der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, Landessektion Tirol.
Mit einer Konzerttournee folgt es den Menschen der Drau entlang von der Quelle in Südtirol/Italien über Osttirol, Kärnten, Slowenien und Kroatien bis zu ihrer Mündung in die Donau bei Osijek. Diese bemerkenswerte Initiative nützt die vitale Kraft der Drau und schafft mit ihrer Hilfe eine künstlerisch fruchtbare Beziehung und Freundschaft.
Ich finde es besonders berührend, dass in Orten und Städten entlang eines Flusses,
an dessen Ufern im Lauf der Geschichte Nachbarschaftskämpfe ausgefochten wurden, nun von Europäern „hüben“ und „drüben“ gemeinsam musiziert wird. Vielleicht gelingt es, nicht nur den Zuhörerinnen und Zuhörern, sondern auch dem „alten“ Fluss eine neue Identität zu geben – nicht zuletzt durch die multinationalen Gemeinschaftskompositionen.
Gemeinsam mit unseren Nachbarn in Italien, Slowenien und Kroatien einen Aktionsraum für zeitgenössische Musik zu gestalten, ist zweifellos ein wichtiger Beitrag zu Gemeinschaft, gegenseitigem Respekt und dauerhafter Integration.
In diesem Sinne wünsche ich allen, die sich an der Konzerttournee beteiligen, den Komponisten und Musikern, aber auch allen, die organisatorisch und als Sponsoren das Projekt „Drau/Drava – Alter Fluss und Neue Klänge“ verwirklichen, viel Erfolg für die Veranstaltungen.
Dem europäischen Publikum entlang der Drau wünsche ich interessante zwischenmenschliche Begegnungen und genussvolle Konzerterlebnisse!

Dr. Erhard Busek

Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa – Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa

Senza con fini

Ohne Grenzen will man zwischen Slowenien, Italien und Österreich – speziell Kärnten – zusammenarbeiten. Das ist manchmal nicht ohne Schwierigkeiten. Daher ist jede Aktivität zu begrüßen, die die ganz konkreten und praktischen Verbindungen in unserer Region unterstützt. Die Arbeitsgemeinschaft Alpe Adria bzw. der Alpenländer hat das seit Jahrzehnten gemacht – wie wir inzwischen wissen, mit großem Erfolg. Klarzumachen, auf welche Weise Regionen verbunden sind, ist notwendig. Meines Erachtens ist die Kultur hier ohnehin effektiver als die Politik. Insbesondere dann, wenn ein Fluss gemeinsam ist und der schließlich keine Grenzen kennt. Da wir uns gerade bemühen, entlang der Sava und der Donau die Menschen zusammenzubekommen, ist das Projekt „Drau/Drava“ ganz wichtig. Natürlich ist es ein alter Fluss, natürlich soll es neue Klänge geben. Wer aber ein wenig die Musik der Region kennt, weiß, dass es die neuen Klänge ohne die alten nicht gäbe. Das ist nicht Nostalgie, sondern Zukunft.