130 Jahre Telephonkonzert

In Laibach wurde Mitte März 1882 zuerst die Operette Der lustige Krieg von Strauß sowie Rossinis Barbier von Sevilla per Telefon in die Theaterdirektion übertragen. Leiter des Versuchs war Josip Geba, der die Übertragung vor ausgewählten Gästen demonstrierte. Der Berichterstatter der Laibacher Zeitung schreibt:

„Am Sonntag und am Dienstag haben während der Vorstellungen des ‚lustigen Krieg‘ und [sic!] ‚Barbier von Sevilla‘ in der Directionskanzlei unseres landschaftlichen Theaters Proben mit den von Herrn Geba eingerichteten Telefonleitungen vor geladenen Gästen stattgefunden, und es war nicht nur [der] musikalische Theil superb vernehmbar, sonder auch das gesprochenen Wort wurde deutlich gehört. Als Aufnahmsapparate dienen an den beiderseitigen Parterre-Prosceniumslogen angebrachte zwei Siemens-Telephone mit Schalltrichtern und zwei Transmitter (mikrophonischer Geber von E. Berliner in Boston, als Hörapparate dienen Siemens-Telephon, Dr. Bötther’sche Hörtelephone und Bell-Telephone).“

Geba war mit allen Neuigkeiten wohlvertraut und hatte sie auch zur Verfügung. Der Versuch glückte, und so wurden bis zum Ende der Saison alle Opern- und Operettenaufführungen für ausgewählte Gäste mit besonderer Zuzahlung in die Direktion des Theaters übertragen. Die „Extrakarte“ kostete 50 kr. „per Person“. Auch das Laibacher Wochenblatt berichtet stolz, daß Theateraufführungen in Laibach mit der Hilfe von Josip Geba ebenso wie in Paris oder in Wien übertragen werden.
Die Laibacher Zeitung beschrieb eine solche Übertragung:

„Die vorgestrige und gestrige Vorstellung der Operette ‚der lustige Krieg‘ und der Oper ‚Der Troubadour‘ vereinigten in der Direktionskanzlei jedesmal eine größere Anzahl von ‚Hörern‘, welche sich an den telephonischen Übertragungen der Vorstellungen ergötzten und von dem Erfolg derselben hoch befriedigt waren, da das ‚Hören‘ ein ganz vorzügliches war.“


Diese Neuheit bedeutete eine besondere Sensation, für die auch in Laibach beträchtliches Interesse bestand.
Die letzten Vorstellungen Mahlers im März wurden alle per Telefon übertragen, sodaß ihnen auch diejenigen lauschen konnten, die dies vermittels dieses letzten Modeschreis tun wollten.

aus: Primož Kuret; Mahler in Laibach, Ljubljana 1881 - 1882
Herausgegeben von Hartmut Krones, Böhlau Verlag Wien.

2011 ist das (Mobil)-Telefon nach wie vor eine wesentliche Komponente unseres mobilen Übetragungssystems - dem Ü-Rad!

Foto © GegenKlang-Archiv
Gustav Mahler Denkmal in Ljubljana / Foto © K. Zechberger
Gustav Mahler Denkmal in Dobbiaco / Foto © Christian Unterhuber
Gustav Mahler Denkmal in Ljubljana / Foto © K. Zechberger
Gustav Mahler Denkmal in Dobbiaco / Foto © Christian Unterhuber